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Die Geschichte von Schloss Hallenburg

Schloss Hallenburg

Blick über den Konzertsaal auf die Akademie

Errichtung des Schlosses Hallenburg

Schloss Hallenburg  
Schloss Hallenburg  

Das Schloss wurde 1705-1712 als zweigeschossiges ländliches Barockschloss mit Mansarddach nach Plänen des berühmten französischen Barockbaumeisters Louis Remy de la Fosse, der auch das Schloss in Darmstadt und das Schloss Herrenhausen bei Hannover plante und baute, errichtet.
Bauherr war Reichsfreiherr Friedrich-Wilhelm von Schlitz genannt von Görtz, der sich mit diesem Schloss außerhalb der alten, unbequemen Burgen des Schlitzer Burgenringes ein nach dem damaligen Geschmack schmuckes und komfortables Barockschloss erbauen ließ. Dieses diente nach seinem Tod (1728) bis 1954 der gräflichen Familie als ständiger Wohnsitz.

Gartenseite  
Gartenseite  

Der Name Hallenburg geht auf den Flurnamen „die Hall“  und ein dortiges Hofgut (seit etwa 1508 belegt) zurück. 1680 hat es dort schon ein „Schloss“ und verschiedene Ökonomiegebäude gegeben. Nachdem Friedrich Wilhelm 1679 Besitzer der Hallenburg geworden war, plante er eine umfassende Neuanlage des gesamten Komplexes. Das gegenüberliegende heutige Ökonomiegebäude entstand in seiner Grundstruktur 1688 und ist damit der älteste Teil dieser Neuanlage.  Erste Neubaupläne für ein Schloss sind für 1702 belegt (von den Architekten Mützel und Borchmann). 1705 waren die Fundamente fertig gestellt, 1706 das Erdgeschoss und das Gewölbe errichtet. Ab 1707 wurde Remy de la Fosse tätig. Ein Jahr später feierte man bereits Richtfest (das Schloss soll eine Tonne Gold = 100 000 Gulden gekostet haben). Zum Schluss wurde 1711/12 der Innenausbau fertig gestellt.

 
Geländerdetail  

Mit der Errichtung des Schlosses wurde auch die Schlossparkanlage geschaffen. Zunächst im rationalistisch-französischen Stil, später (etwa ab 1780) wurde der Park dann in einen englischen Landschaftsgarten umgestaltet, der von dem kleinen Flüsschen Schlitz begrenzt wird.

 

Weitere Bauentwicklung des Schlosses Hallenburg

 
Ofenplatte aus der Bauzeit  

1755 wurde ein Teil des Schlosses durch einen Brand schwer beschädigt, jedoch schnell wieder repariert. Unter dem Grafen Carl Heinrich erfolgte ab 1800 ein Umbau: das ehemalige Mansarddach wurde durch ein Mezzaningeschoss mit niedriger Deckenhöhe ersetzt bzw. aufgestockt und klassizistisch umgestaltet.
Im Jahre 1867 wurde nach Plänen des berühmten Baumeisters Hugo von Ritgen (damals Professor für Bauwesen an der Gießener Universität) auf der Westseite des zentralen Ökonomiegebäudes ein historistischer Anbau im niedersächsischen Stil angefügt.

 
Parkett, gestaltet von Gustav Vorherr  

Die gräfliche Familie nutzte das Schloss bis 1954 als Residenz. Danach übereignete es Graf Otto Hartmann der Stadt Schlitz zur Unterbringung eines Gymnasiums. Zu diesem Zweck wurden die Geschossdecken durch Stahlträger verstärkt, um die Schülerlasten abzufangen. Dabei wurden allerdings die klassizistischen Stuckdecken weitgehend zerstört. Von 1978-2002 stand das Schloss leer und diente zeitweise als Unterkunft für Manöverstreitkräfte. Das Gebäude litt zunehmend unter Wasserschäden und starkem Hausschwammbefall. Von Sommer 2001 – Herbst 2003 wurde das Schloss grundlegend saniert und zur Landesmusikakademie umgebaut, wobei sämtliche Geschossdecken entfernt, d.h. entkernt und neu aufgebaut wurden.

 
Parkettfußboden 1804  

Beim Umbau des Schlosses zu einem Gymnasium waren sämtliche Parkettfußböden aus der klassizistischen Umbauzeit vor gut 200 Jahren mit Holz-Estrich überstrichen und anschließend mit einem Bodenbelag versehen worden, so dass das historische Parkett erhalten blieb.
Es wurde außerhalb des Gebäudes in einer Tischlerwerkstatt saniert und danach auf einer  Trägerplatte eingebaut und verleiht nunmehr mit seinen unterschiedlichen Mustern den einzelnen Räumen eine besondere und individuelle Atmosphäre.

Gartensaal und chinesisches Tapetenzimmer

Die Stuckdecke des Gartensaals ist mit Tierkreisdarstellungen verziert. Die zarten Leinenvorhänge wurden im Jahr 2003 von der Schlitzer Leinenweberei Drießen gewebt.
Die Papiertapete (geschöpftes Papier aus der Rinde des Maulbeerbaumes, langfaserig) im Chinesischen Tapetenzimmer wurde um 1800 angebracht.

Auschnitt Chinesische Tapete  
Auschnitt Chinesische Tapete  

Diese florale chinesische Tapete stellt als Raumtapete eine europäische Rarität dar. Sie wurde auf einer Makulatur vorwiegend von Seiten aus einer 1728 gedruckten Leichenpredigt aufgeklebt. Diese Tapete wurde vermutlich um 1770 auf Bestellung aus Europa in chinesischen Manufakturen per Hand gemalt.
Die Schlitzer Tapete zählt zu den seltenen Exemplaren in Europa, die einen Raum völlig auskleiden. Allerdings wurde sie an einigen Stellen aufgrund von Vandalismus während der ungenutzten Zeit des Schlosses zerstört und an der Seite mit den China-Enten sogar unkenntlich. Sie wurde in Solingen über ein Jahr lang restauriert, nachdem ihre vorsichtige Abnahme etwa 14 Tage in Anspruch genommen hatte.
Dabei musste sie von allen Pilzsporen, Übergipsungen usw. gereinigt werden. An einigen Stellen, an denen Tapetenteile abgerissen oder gar ausgeschnitten waren, haben die Restauratoren keinerlei Pflanzenteile oder Tiere „erfunden“, sondern die betroffenen Stellen nur farblich an die Grundfarbe angeglichen. Bei Teilen, bei denen die Makulatur durchgekommen war, hat man in pointillistischer Manier eine passende Andeutung vorgenommen. Nachdem der Architekt den vorhandenen Lehmputz vollständig beseitigt und darüber hinaus die unterliegende Steinwand von sämtlichen Pilzsporen gereinigt hatte, konnte die Tapete in der Weise aufgebracht werden, dass man zuvor mit Holzlatten um-rahmte Wabenkartonflächen an die Wände schraubte und anschließend die einzelnen Tapetenbahnen an ihren Rändern auf einem Papierschlauch verklebte. Damit kann die Tapete sich mitbewegen, wenn das Gebäude insgesamt „arbeitet“. Die Sanierungskosten betrugen rund 250.000,00 Euro.

 
Kamin im Tapetenzimmer  

Da die originalen chinesischen Lampen nicht mehr vorhanden waren, wurden sie nach dem Vorbild der historischen Lampen in den beiden Chinaräumen des Schlosses Wörlitz bei Dessau von einem Schlitzer Kunsttischler nachgebaut (massives Nussbaum- und Ebenholz).

 

 

Hausflur

 
Klassizistisches Treppenhaus  

Die in Marmorierungstechnik (Freskotechnik) angelegten Flächen im Hausflur wurden im Rahmen der Sanierungsarbeiten von Stuckateuren aus Görlitz  und Dresden gearbeitet. Als Vorlage dienten farbliche Darstellungen aus der Zeit der Renovierung des Schlosses um 1800, so dass der Hausflur das originale Aussehen dieser Zeit wiedergibt. Die Linienführung am Rand der einzelnen Tafeln mit schwarzen oder weißen Strichen verleiht den Tafeln Plastizität und somit den Wänden eine gewisse Lebendigkeit.

Gästehaus

 
ehem. Kostmeierhaus, heute Gästehaus der Akademie  

Ursprünglich wurde das so genannte Kostmeierhaus von Bediensteten der gräflichen Familie genutzt. Nach Süden hin wurde um 1800 eine Orangerie mit zentralem Kuppelsaal und beidseitig daran angebauten  Gewächshäusern errichtet.

 

Die heutige, zweiteilige Anlage als Gästehaus diente vor ihrer Sanierung etwa 50 Jahre lang als Kindergarten.

Autor: Volker Puthz


 

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